Gemeinschaftspraxis von Dr. med. Martin Glaubitz, PD Dr. med. Lars Müller und Dr. med. Katrin Kron

Gefäßdiagnostik

  • Chronisch-venöse Insuffizienz/Krampfaderleiden

    Die Diagnostik und Therapie chronischer Venenkrankheiten ist besonderer Schwerpunkt unserer Praxis. Die chronisch-venöse Insuffizienz (CVI) ist in der Bevölkerung in westlichen Ländern mit einer durchschnittlichen Krankheits-
    häufigkeit (Prävalenz) mit etwa 5%, bezogen auf alle Altersgruppen, anzutreffen; sie steigt mit zunehmendem Alter. Häufigste Ursache für die chronisch-venöse Insuffizienz ist das Krampfaderleiden, welches in etwa 30% aller Erwachsenen in unterschiedlichen Ausprägungen anzutreffen ist. Als Ursachen hierfür, welche allein oder in Kombination eine Rolle spielen, sind eine angeborene Venenwand-
    schwäche, eine Degeneration oder Schädigung der Venenklappen, sowie eine Störung der venösen Zirkulation auf Ebene der verschiedenen Pumpmechanismen zu nennen. Der Lebensstil in westlichen Ländern, der vielfach durch sitzende Tätigkeit, Bewegungsarmut und Übergewicht geprägt ist, trägt weiter zur Entstehung des Venenleidens bei.

    Klinisch macht sich ein Krampfaderleiden mit einem Schwere- und Spannungs-
    gefühl in den Beinen bemerkbar, mitunter besonders bei wärmeren Temperaturen (Sommer). Es können auch Schmerzen und Juckreiz, besonders im Bereich größerer, durch die Haut sichtbarer, typisch geschlängelter Krampfadern auftreten. Durch die venöse Abflussstörung kommt es zur Wassereinlagerung im Gewebe (Ödem)

    In fortgeschrittenen Stadien der CVI kommt es über die chronische Überlastung des Gewebes mit venösem Blut zu Pigmenteinlagerungen und Entzündungen der Haut, welche letztlich zur Ausbildung offener, schlecht abheilender Beingeschwüre (Ulcus cruris) führt.

    Die Diagnostik stützt sich auf die Anamnese, allgemeine klinische Untersuchung sowie auf apparative Untersuchungstechniken (Dopplerdruckmessung, Lichtreflexionsrheographie (LRR), Venenverschluss-Plethysmographie (VVP), Farbcodierte Duplexsonographie)

    Therapeutisch kommen, je nach Ausprägung des Krankheitsbildes, die Entstauungs- und Kompressionstherapie, die Sklerosierung, die Phlebektomie bzw. Stripping-OP sowie die endoluminale Radiofrequenzablation zum Einsatz.

  • Thrombose/Thrombophlebitis

    Eine Thrombose ist ein Blutgerinnsel in einem Blutgefäß, in aller Regel in einer Vene in den tiefen Beinvenen (Tiefe Venenthrombose). Mehrere Faktoren können alleine oder in Kombination eine Venenthrombose verursachen:

    – Stase des venösen Blutflusses, z.B. im Rahmen einer längerdauernden Immobilisation im Rahmen von Krankheiten oder nach Operationen, aber auch bei längerem Sitzen mit abgewinkelten Beinen (z.B. Bus- oder Flugreisen)

    – Erhöhte Gerinnungsneigung, z.B. durch angeborene Gerinnungsstörungen, im Rahmen bestimmter Krankheiten, z.B. Tumorerkrankungen, Schwangerschaft, Dehydratation (Flüssigkeitsdefizit) und diverse weitere Ursachen

    – Schäden der Gefäßwand, z.B. durch Verletzungen, Entzündungen, durch Rauchen, Tumorinfiltrate, usw.

    Eine Thrombose der Beinvenen verursacht typischerweise Schmerzen und Schwellungen des betroffenen Beines; die Symptome können aber auch sehr gering ausgeprägt sein. Die wichtigste Komplikation der Thrombose ist die Lungenembolie, die unter Umständen tödlich verlaufen kann. Aus diesem Grund sollte bei Verdacht auf eine Thrombose eine genaue Abklärung erfolgen.

    Die Diagnostik stützt sich sowohl auf die Kombination aus Klinik, auf Laboruntersuchungen (D-Dimere=Fibrinspaltprodukte) sowie auf die Kompressionssonographie bzw. farbkodierte Duplexsonographie. In Kombination kann eine sichere Aussage hinsichtlich der Frage, ob eine Thrombose vorliegt, getroffen werden.

    Wird eine Thrombose nachgewiesen, so ist eine längerdauernde medikamentöse Therapie mit gerinnungshemmenden Medikamenten über mehrere Monate erforderlich; eine stationäre Behandlung ist in den meisten Fällen nicht nötig.

    Eine Thrombophlebitis ist eine Thrombose in einer Vene des oberflächlichen Venensystems. Diese Erkrankung tritt gehäuft bei Patienten mit einem Krampfaderleiden auf, aber auch die anderen o.g. Gründe für die Entstehung einer Thrombose sind bedeutsam. Auch die Thrombophlebitis kann, wenn diese in der Nähe von Verbindungen vom oberflächlichen zum tiefen Venensystem auftritt, auf das letztere übergreifen und ebenso eine Lungenembolie verursachen. Daher ist auch hier eine genaue Abklärung zu empfehlen, die Thrombophlebitis wird in der Regel ebenfalls mit gerinnungshemmenden Substanzen behandelt.

  • Periphere arterielle Verschlusskrankheit (AVK)

    Die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) ist eine Störung der Durchblutung der Extremitäten, die in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle durch eine Arteriosklerose verursacht wird. Je nach Lokalisation, Ausdehnung und Ausprägung der Durchblutungsstörung kommt es zu belastungsabhängigen Schmerzen beim Laufen, der Claudicatio intermittens bzw. Schaufensterkrankheit, bis hin zum Auftreten von abgestorbenem Gewebe bis hin zum Verlust der betroffenen Extremität.

    Die pAVK ist eine häufige Erkrankung, hierzulade sind etwa 4-5 Mio. Menschen betroffen. Risikofaktoren sind der Nikotinkonsum, der Bluthochdruck, Diabetes mellitus und Fettstoffwechselstörungen.

    Die Erkennung und Diagnostik der pAVK, auf der die Zuordnung eines Stadiums und letztlich die Therapie basiert, setzt sich zusammen aus der Anamnese, der klinischen Untersuchung und weiterführenden apparative Untersuchungen (Dopplerdruckmessung, Oscillographie, Duplexsonographie).

    Die Therapie beinhaltet konservative und medikamentöse Maßnahmen (Nikotinkarenz, Gehtraining, Thrombozytenaggregationshemmung), diese sind in vielen Fällen unter regelmäßig durchgeführter ärztlicher Kontrolle ausreichend. In schwereren Fällen sind interventionelle oder operative Maßnahmen zur Optimierung bzw. Wiederherstellung der arteriellen Versorgung der betroffenen Extremität notwendig, wie beispielsweise Dilatationen, Stentimplantationen, Thrombendarteriektomien oder Bypass-Operationen.

  • Erkrankung der extrakraniellen Hirngefäße – Schlaganfall

    Der Schlaganfall (Apoplex) stellt in Deutschland hinter den kardiovaskulären Erkrankungen und den malignen Erkrankungen die dritthäufigste Todesursache dar; pro Jahr treten in Deutschland etwa 250.000 Schlaganfälle auf, jeder zweite Patient stirbt oder trägt eine dauerhafte Behinderung davon. Ein Schlaganfall ist eine plötzlich auftretende, häufig bleibende Schädigung der Hirnfunktion durch eine Störung der Hirndurchblutung. Die überwiegende Anzahl der Schlaganfälle entsteht durch eine akute Minderdurchblutung (Ischämie). Ursachen hierzu sind zum einen Gerinnsel (Thrombosen) der hirnversorgenden Gefäße. Diese entstehen auf dem Boden arteriosklerotisch vorgeschädigter Hirngefäße und können vor Ort einen Gefäßverschluss bewirken. Ein Gefäßverschluss kann zunächst langsam entstehen im Sinne einer zunehmenden Einengung eines

    Gefäßes (Stenose); er kann aber auch akut auftreten; auch können Gerinnsel mit dem Blutstrom fortgerissen werden und ein weiter entfernt liegendes Gefäß verschließen (arterio-arterielle Embolie). Embolien können aber auch aus vorgeschalteten Gefäßabschnitten oder dem Herzen (kardiale Embolie) hervorgehen.

    Für die Diagnostik von Erkrankungen der hirnzuführenden Arterien bietet die Duplexsonographie eine Methode, mit der mit relativ geringem Aufwand eine Aussage zur Beschaffenheit der hirnzuführenden Gefäße, dem Vorhandensein von Ablagerungen (Plaques) oder bereits dem Auftreten einer hämodynamisch relevanten Verengung der Gefäße oder anderer Pathologien möglich ist.

  • Aortenaneurysma

    Das Aortenaneurysma ist eine krankhafte Aufweitung der Hauptschlagader (Aorta). Sie kann in allen Etagen auftreten: im ansteigenden Teil, im Bogen oder im Verlauf der Hauptschlagader im Brustkorb, oder aber, und dies ist die häufigste Form, im Verlauf der Hauptschlagader im Bauchraum (abdominelles Aorten-
    aneurysma). Die Ursache solcher Aneurysmen ist in den meisten Fällen die Arteriosklerose; Risikofaktoren hierzu sind hoher Blutdruck (Hypertonus), Rauchen, hohe Blutfette, Übergewicht und Diabetes. Weitere Ursachen sind Bindegewebs-
    defekte und bestimmte infektiös-entzündliche Erkrankungen, sowie eine familiäre Disposition. Darüber hinaus sind Männer etwa fünfmal häufiger betroffen als Frauen. Außerdem erhöht sich das Risiko mit steigendem Lebensalter, besonders für Menschen älter als 60 Jahre.

    Das Aortenaneurysma verursacht mitunter Symptome wie z.B. Bauchschmerzen, Rücken- oder Flankenschmerzen. In den meisten Fällen wird es jedoch zufällig diagnostiziert. Gefährlich sind die Aneurysmen aufgrund der Gefahr der Ruptur, bei denen es durch den Einriss eines Aneurysma zu einem massiven Blutverlust mit einem inneren Verbluten kommt. Das Risiko der Ruptur steigt mit dem Durchmesser des Aneurysma und beträgt beispielsweise bei 5-6cm 10%.

    Bei über 7cm liegt das Rupturrisiko bereits bei 60%. Weitere Risikofaktoren für eine Ruptur sind weibliches Geschlecht, eine familiäre Häufung sowie Begleiterkrankungen wie ein schlecht eingestellter Bluthochdruck (Hypertonus) oder eine schwere chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD). Aneurysmen, die eine bestimmte Größe oder Wachstumstendenz überschreiten, sollten operativ bzw. mittels endovaskulärer Aneurysmaausschaltung (EVAR) versorgt werden.

    Die Diagnostik bzw. der Ausschluss eines Bauchaortenaneurysma kann mit hoher Spezifität und Sensitivität mittels Ultraschalldiagnostik erfolgen; ebenso das Kontrollieren bei noch nicht operationsbedürftigen Befunden. Die Computertomo-
    graphie (CT)
    wird ergänzend in der Therapieplanung eingesetzt zur genauen Darstellung der Anatomie eines Aneurysma sowie zur Beurteilung der Wand-
    beschaffenheit, und der Darstellung von Lagebeziehungen zu den Nieren- und Mesenterialgefäßen.

  • Apparative Ausstattung

    Für die Diagnostik und Prävention von Gefäßerkrankungen bzw. deren Folgen steht uns neben unserer Erfahrung eine umfangreiche apparative Ausstattung zur Verfügung: Hierzu zählt die Dopplerdruckmessung, eine wichtige Screening-Methode, um arterielle Durchblutungsstörungen besonders der unteren Extremitäten (AVK, Schaufensterkrankheit) zu erkennen.

    Ergänzt wird diese durch Messung in besonderen Situationen durch die Oscillographie, mit der eine Höhenlokalisation von arteriellen Verschlussprozessen der Beine ermöglicht wird.

    Duplexsonographie

    Abbildung: Farbcodierte Duplexsonographie mit Frequenz-
    spektrumanalyse der Arteria carotis communis, Normalbefund

    Für die Diagnostik des venösen Systems steht uns die Lichtreflexions-rheographie (LRR), eine hämodynamische Untersuchung für die Diagnostik der chronischen venösen Insuffizienz, zur Verfügung. Diese misst die Wiederauffüllzeit der Hautgefäße, nachdem sie durch Aktivität der Wadenmuskelpumpe entleert wurden.

    Im Falle von defekten Venenklappen, z.B. im oberflächlichen Venensystem, kommt es zu einem beschleunigten Wiederauffüllen der Hautgefäße. Die Venenverschluss-Plethysmographie (VVP) ist eine Methode zur Untersuchung der venösen Abstrom-Kapazität der Beine.

    Kernelement der Gefäßdiagnostik ist die farbcodierte Duplex-Sonographie; hiermit werden im Bereich der arteriellen Diagnostik Verengungen (Stenosen) und Verschlüsse, aber auch Aussackungen der Gefäßwände (Aneurysma) diagnostiziert.

    In der venösen Diagnostik wird die Duplex-Sonographie für den Nachweis/Ausschluss von Blutgerinnseln in den tiefen oder oberflächlichen Venen (Thrombose bzw. Thrombophlebitis), sowie der Beurteilung von Klappenschäden im Rahmen des Krampfaderleidens eingesetzt.

    Alle vorgenannten Untersuchungsverfahren sind nichtinvasiv und schmerzfrei.